​Zwischen Morddrohungen und Urlaubslaune

Servicekauffrau im Luftverkehr sind Profis am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO)

Im Rahmen der Woche der Ausbildung erhielten Schülerinnen des Schülerzeitungsteams Einblick in den Beruf der „Servicekauffrau im Luftverkehr“ am Flughafen Münster/ Osnabrück (FMO).

Menschen in Bewegung – hier ein leidenschaftlicher Wiedersehenskuss, dort eine letzte Umarmung, ein Lächeln, eine Abschiedsträne vor dem Abflug. Wer am Flughafen arbeitet, so möchte man glauben, sieht das menschliche Leben durchs Brennglas. Doch nicht nur die Reisenden erleben die volle Bandbreite menschlicher Emotionen – auch die hier arbeitenden Menschen erleben eine ganze Menge! Der Unterschied ist allerdings: sie sind Profis, die ihre Emotionen kontrollieren müssen. Klar, das muss man immer, wenn man mit Menschen zu tun hat. Aber am Flughafen geraten Menschen in Extremsituationen. „Wenn jemand nicht in den Flieger kommt, ist das etwas anderes, als wenn einen der Bus nicht mitnimmt“, weiß Ingrid Erdmann, die in über 20 Jahren am Check-in des FMO schon viel erlebt hat: „Reisende, die keinen gültigen Pass besitzen oder die zu spät sind, machen mich dafür verantwortlich und ich habe auch schon Morddrohungen erhalten!“ Dann musste Ingrid Erdmann vom Sicherheitsdienst zum Auto gebracht werden. Warum sie dennoch dabei geblieben ist, wollen wir wissen. „Weil die schönen Momente ganz klar überwiegen! Viele Menschen sind mit ihrer guten Urlaubslaune ansteckend!“ Das bestätigen auch Demirca Pokrajac, Cerem Simsek und Kim Wischmann, die im letzten Jahr ihre Ausbildung beendet haben. Drei Jahre haben sie gelernt – die Praxis am FMO und die Theorie an der Berufsschule in Dortmund. Langweilig ist es ihnen nicht geworden – Recht, Geografie, Rechnungswesen in der Schule und selbst ein relativ kleiner Flughafen wie der FMO bietet neben dem Check-in viele Arbeitsplätze, z. B. das Operation Center, kurz OPS genannt. Von hier blickt man auf das Rollfeld und hat als Schnittstelle zwischen Flugzeug und Flughafen eine Menge Verantwortung. Die Ausgabe von Sprit und Gepäck wird hier koordiniert. „Im OPS sind gewissenhafte Teamplayer gefragt!“, weiß Demirca Pokrajac. „Jede Verspätung, und wenn es nur eine Minute ist, muss dokumentiert und begründet werden! Bei groben Verfehlungen kann man sogar haftbar gemacht werden.“ Überall am Flughafen ist Kommunikation ein großes Thema – bei der Absprache mit der Mannschaft auf dem Rollfeld, aber auch mit den Passagieren. Beim Boarding fallen immer wieder Gäste auf, die zu viel getrunken haben. Dann muss die zuständige Servicekauffrau im Luftverkehr entscheiden, ob der Gast noch reisefähig ist. „Die blöden Sprüche von Betrunkenen nerven schon!“ Aber Kim Wischmann hat schnell gelernt damit professionell umzugehen. „Vieles, was für den Beruf wichtig ist, lernt man in der Praxis, z. B. die richtige Ansprache für die Passagiere.“ Auch für die Kleidung ist man in gewisser Weise selbst verantwortlich. Zwar gibt es einen Dresscode, aber auch hier noch genug Variationsmöglichkeiten. Da sind die Vorgaben für Piloten und Flugbegleiter strenger, wie wir an Bord einer haltenden Maschine erfahren. Später erhalten wir einen Einblick auf die Gepäckbeförderung. Dass bei der Anzahl der vielen Koffer und Taschen nicht mehr verloren geht, wundert uns. Aber es passiert eben hin und wieder. Und so muss sich die Servicekauffrau im Luftverkehr an der Gepäckermittlung auch häufig mit starken Emotionen auseinandersetzen, wenn Reisende z. B. ihre Haustürschlüssel im Koffer haben und dieser nicht im Flieger war. Da es am FMO kein Nachtflugverbot gibt – wie an vielen anderen Flughäfen –, fliegen hier z. B. die Stars von Real nach einem Champions-League-Spiel in Dortmund zurück nach Madrid, berichtet Marvin Eckhardt. Dann ist er der letzte Mann, an dem Christiano Ronaldo vorbeimuss. Je nachdem wie das Spiel ausgegangen ist, blickt er dann in fröhliche oder genervte Gesichter. Auch Profis haben Gefühle, mit denen die Servicekauffrau im Luftverkehr professionell umgehen muss.
 
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Wir bedanken uns bei der Regionalagentur Münsterland, der Agentur für Arbeit und dem FMO für die interessanten Einblicke in einen spannenden Beruf!  

Veröffentlicht: 19:34:03 24.03.2018