​UTA1 und UTA3 erkunden weltweit größte Power-to-gas-Anlage in Werlte

Von wegen „Solarstrom- und Windenergieanlagen können bei Dunkelflaute die elektrische Stromversorgung nicht sicherstellen.“ – die Schülerinnen und Schüler der UTA1 und UTA3 wissen es jetzt besser. Sie haben nämlich am 10. Januar 2018 die Audi e-gas Anlage im emsländischen Werlte besichtigt. Dabei handelt es sich um eine so genannte Power-to-gas-Anlage (P2G-Anlage), und zwar um die derzeit größte der Welt. Welchen Zweck erfüllt so eine Anlage und wie funktioniert sie?

Dazu muss ein wenig ausgeholt werden. Der Wind bläst bekanntlich nicht immer gleich stark. Bei Windstille erzeugen Windenergieanlagen keinen Strom, bei Sturm hingegen erzeugen sie so viel Strom, dass sie abgeschaltet werden müssen um eine Netzüberlastung zu verhindern – eigentlich. Denn jetzt kommt die P2G-Anlage ins Spiel: Die Windenergieanlagen in der Region der P2G-Anlage werden nicht abgeschaltet, sondern versorgen die Elektrolyseure der Anlage mit elektrischem Strom. Die drei Elektrolyseure in Werlte nehmen eine Gesamtleistung von bis zu 6 Megawatt (!) auf, was der Leistungsaufnahme von z. B. 3000 leistungsstarken Haarföns entspricht. Sie spalten Wasser auf in Wasserstoff und Sauerstoff. Den Wasserstoff kann man in kleinen Mengen bereits ins europäische Erdgasnetz einspeisen, aber in Werlte geht man noch einen Schritt weiter: Aus der benachbarten Biogasanlage, die mit biologischen Reststoffen betrieben wird (also nicht mit Mais, dessen Anbau in Konkurrenz zu anderer Nahrungsmittelproduktion stehen könnte), wird CO2 gewonnen. Dieses CO2 reagiert in einem katalytischen Reaktor mit dem Wasserstoff zu Methan – chemisch fast das Gleiche wie Erdgas, nur reiner und nicht fossil, sondern erneuerbar. Und dieses synthetisch gewonnene Methan wird ins europäische Erdgasnetz eingespeist und kann z. B. während einer Dunkelflaute über Brennstoffzellen oder Gaskraftwerke „verstromt“ werden, es kann also bei Bedarf wieder Strom erzeugt werden. Oder man kann Erdgasfahrzeuge an einer Erdgas(CNG)-Tankstelle damit betanken, die dann nahezu CO2-neutral fahren, weil das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 ja vorher der Biogasanlage entnommen wurde. Zwei nicht ganz so schöne Aspekte sollen aber nicht verschwiegen werden: Bisher können P2G-Anlagen zumindest in Deutschland kaum wirtschaftlich betrieben werden, weil sie die volle EEG-Umlage bezahlen müssen. Und der Gesamtwirkungsgrad der Umwandlungsprozesse vom elektrischen Strom bis zum synthetischen Methan liegt derzeit nur bei ca. 54 %, von der investierten Energie bleibt also nur etwa die Hälfte übrig. Dies wird aber relativiert, solange es sich um überschüssigen Strom handelt, der sonst gar nicht erzeugt werden könnte.
 
​UTA1 und UTA3 erkunden weltweit größte Power-to-gas-Anlage in Werlte  ​UTA1 und UTA3 erkunden weltweit größte Power-to-gas-Anlage in Werlte

Die Berufsfachschule für Umweltschutztechnik bedankt sich ganz herzlich bei Herrn Dinse, der die beiden Klassen sehr kompetent durch die Anlage geführt hat!

Veröffentlicht: 10:13:38 11.01.2018