​„An das denken, was man hat“

Die Schülerinnen und Schüler der ersten Flüchtlingsklassen am Berufskolleg Rheine haben ihren Schulabschluss geschafft.

"Denke nicht so oft an das, was dir fehlt, sondern an das, was du hast!", so lautete das von Marc Aurel übernommene Motto zur Verabschiedung des ersten Flüchtlingsklassenjahrgangs am Berufskolleg Rheine. Als würden die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklassen dies nicht ohnehin schon tun! Vor zwei Jahren kamen die meisten von ihnen als unbegleitete Minderjährige, also ohne Eltern oder andere erwachsene Verwandte, nach zum Teil jahrelanger Flucht nach Deutschland – und damit ans Berufskolleg Rheine. 

​„An das denken, was man hat“​„An das denken, was man hat“Die Mädchen und Jungen wurden unter der umsichtigen Leitung von Reinhard Glaßmeyer (ehem. Schulleiter) und Frank Lohaus (Abteilungsleiter) schnell in den Schulalltag aufgenommen und fortan mit viel Engagement von einem Team um den Lehrer David Murphy unterrichtet, der für diese Aufgabe seinen Ruhestand um ein paar Jahre verschob. Die nicht minder motivierten Schülerinnen und Schüler erhielten schwerpunktmäßig Deutschunterricht, konnten jedoch auch in den Fächern Mathe, Englisch, Politik, Religion etc. sowie innerhalb von Praxisunterricht und Praktika Kompetenzen aufbauen und erweitern. Immerhin lautete das – für manche der Jugendlichen nur vorläufige – Ziel: Hauptschulabschluss!

Am 07.07.2017 wurden die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Flüchtlingsklassen nun feierlich verabschiedet. Den Schulabschluss haben 3/4 der Mädchen und Jungen erhalten – und 2/3 von ihnen werden sogar in Ausbildungsverhältnisse entlassen, während andere einen höheren Abschluss anstreben und deshalb weiter zur Schule gehen. Dies ist nach lediglich vier Halbjahren Schulbildung ein beachtlicher Erfolg. Wenn man bedenkt, dass viele Schülerinnen und Schüler – übrigens auch die Leistungsträger mit guten Schulabschlüssen und Ausbildungsverträgen – wegen drohender Abschiebungen stetig großen psychischen Druck aushalten müssen, kann ihre Leistung kaum hoch genug eingeschätzt werden.
 
​„An das denken, was man hat“  ​„An das denken, was man hat“

​„An das denken, was man hat“  ​„An das denken, was man hat“

Sie haben aber noch viel mehr als einen Schulabschluss. Sie haben Intelligenz, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen, aber auch Lebensfreude und eine Riesenportion Humor. Sie haben trotz dem, was sie bewältigen mussten und müssen, den Mut, lustig und freundlich und interessiert zu sein, anderen zu vertrauen und auf Schwächere zu achten.

Das Berufskolleg Rheine wünscht ihnen, dass es ihnen im Sinne Marc Aurels gelingt, sehr oft daran zu denken – und natürlich alles Gute auf ihrem weiteren Weg!

Veröffentlicht: 11:10:18 10.07.2017