​Nicht weniger als „Nicht dies oder das zu sein“ bleibt das Ziel

Die Abschlussfeier der dreijährigen Berufsfachschule und der FOS 13 glänzt mit philosophischen Anstößen

​Nicht weniger als „Nicht dies oder das zu sein“ bleibt das ZielSchulleiter Benedikt Karrasch, der sich auch für die Moderation der Veranstaltung verantwortlich zeigte, begrüßte eine muntere Festgemeinde. Jeder Absolvent durfte höchstens einen Begleiter mitbringen, selbstverständlich standen die Stühle im Abstand und jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer musste einen Test oder Impfnachweis erbringen, um in die Aula zu gelangen. Wer das geschafft hatte, konnte sich gelöst auf eine ansprechende Abschlussfeier freuen.

Gar nicht in die Aula kam der Landrat Dr. Martin Sommer, der stattdessen eine Videobotschaft an die Absolventinnen und Absolventen schickte: Digitales Lernen und Unterricht in Präsenz, der Verzicht auf so vieles in diesen Jahren und trotzdem das erfolgreiche Ende des Bildungsabschnitts prägten die Erfahrungen in den letzten anderthalb Jahren. Der Landrat ist sich sicher, dass die Anwesenden „nach diesen Erfahrungen nichts mehr so leicht im Leben aus der Bahn werfen kann.“

In seiner Rede griff Schulleiter Benedikt Karrasch auf ein kleines Experiment zurück, das er mit Tönen von Johann Sebastian Bach eröffnete: das Geigerexperiment. Ein Konzert in einer U-Bahn-Station in Washington D.C., mitten im Vormittagsstress, ein Geiger spielte sechs Stücke, die zu den schwierigsten Stücken Bachs für dieses Instrument zählen. Mindestens 1100 Passanten bemerkten nicht, wen die Washington Post für diesen wissenschaftlichen Streich engagiert hatte: Joshua Bell, einer der bekanntesten Geiger der Zeit, noch kurz zuvor für mehr als hundert Dollar pro Ticket in Boston aufgetreten. Aus dieser Zeit spannte er den Bogen zurück zu den Erfahrungen der Corona-Krise, die ebenso wie das Experiment unsere Wahrnehmung auf die Probe gestellt hat. „Haben Sie die gezwungen geschenkte Zeit sinnvoll genutzt?“ Wenn er sich erinnere, mit welcher Freude von vielen die Wiederaufnahme des Unterrichts begleitet worden sei, so schätze er, dass er nicht der einzige gewesen sei, der „authentische nicht-digitale Kontakte“ mehr denn je schätzen gelernt hat. Jeder habe konsequent gehandelt, „trotz Corona sind Sie Ihrem Talent gefolgt, um Ihr Ziel zu erreichen“ – mit dieser Zielstrebigkeit solle es auch in Zukunft weitergehen.

​Nicht weniger als „Nicht dies oder das zu sein“ bleibt das ZielDie traditionelle philosophische Besinnung von Carsten Glindmeyer-Stümpel gründete sich auf das Zitat „Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein“ von Sören Kierkegaard. Glindmeyer-Stümpel gelang es dabei, auf die Tiefe des eigentlich unscheinbar anmutenden Satzes hinzuweisen. Die Schwierigkeit beginne, wenn man versucht, die Lücken zu schließen, etwa indem man sinnvolle Ergänzungen für „dies und das“ findet. Auch ein Blick auf das gesamte Werk Kierkegaards gebe Orientierung, aber keine völlige Klarheit. Immerhin relativierte Carsten Glindmeyer-Stümpel dessen Anspruch, den Glauben über die Vernunft zu stellen und somit die dritte der von Kierkegaard skizzierten Stufen zu erlagen. Greifbarerer sei da der zweite Schritt, Verantwortung zu übernehmen und immer im Blick zu behalten, wer oder was man wird.

​Nicht weniger als „Nicht dies oder das zu sein“ bleibt das ZielGuten Anklang fand auch die Ansprache durch die Schülervertretung, die zunächst auf der Metaebene fragten, wie man unter dem Eindruck von Corona überhaupt eine Rede beginnen soll. Dies gelinge aber schön und schaurig zugleich, wenn man bedenke, wie schnell die drei Jahre bereits vorbeigezogen sind. Unzählige Klausuren und Tests seien bewältigt worden, „der coolsten und der schönste Jahrgang ever“ habe aber alle Herausforderungen gemeistert. Der Dank an dieser Stelle gehe auch die Lehrer und Eltern, „die auch in schwierigen Zeiten hinter uns standen.“ Auch wenn alle Absolventen ihre eigenen spannenden Wege gehen, möge man sich in Zukunft wiedersehen. Auch die Frage, wie man eine Rede beende, wurde souverän gelöst: mit Applaus für Absolventen und Wegbegleiter.

An dieser Stelle bedankte sich Benedikt Karrasch auch besonders bei Rednerin Leonie Fühner, die sich in den vergangenen Jahren als SV-Mitstreiterin intensiv in die Arbeit der Schule einbringen konnte. Abschließend kam es zur eigentlichen Zeugnisausgabe, der nur noch die Ehrung der Klassenbesten vorausging.

Besonders geehrt wurden die Klassenbesten Jana König (UTA3), Maximilian Passgang (O3T), Dana Nies (K3K), Moritz Kortemeyer (IA3A) und Fabian Pflegt (IA3B).
 
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Veröffentlicht: 08:41:40 03.07.2021