​Raus aus dem Schulalltag – Rein in das Schülerexperiment: See It!

In diesem Schuljahr hieß es für den Soziologiekurs der 12. Klasse der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales (O2SA): Raus aus dem Schulalltag – Rein in das Schülerexperiment: See It!

Der Kurs hat in diesem Schuljahr mit viel Engagement einen soziologischen Versuch auf die Beine gestellt, welcher in der Nelson-Mandela-Schule (Sekundarschule der Stadt Rheine) und in der Jahrgangsstufe 11 (O1SA) des Berufskollegs Rheine durchgeführt wurde. Das Experiment entstand in Anlehnung an eine Übung, die von Jane Elliott entwickelt wurde. Diese ist eine amerikanische Lehrerin, die als Antirassismus-Aktivistin bekannt ist und im Jahr 1968 den bekannten "Blue Eyed Workshop" entwickelte.
 
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Die Schüler*innen orientierten sich an diesem, überarbeiteten ihn jedoch so, dass sie selbst in der Lage sind, diesen selbstständig mit unterschiedlichen Personengruppen durchführen zu können. Die Übung basiert darauf, dass die jeweilige Klasse aufgrund ihrer Augenfarbe in Braunäugige und Nicht-Braunäugige unterteilt wurden. Die "Blauäugigen" werden so angesehen und behandelt, wie beispielsweise Nicht-Weiße oder Migrant*innen häufig in dieser Gesellschaft behandelt werden. Alle negativen Stereotype, die wir in unserer Gesellschaft kennen, werden auf die Gruppe der Blauäugigen angewendet. Die Vorstellung, dass der Melaningehalt unserer Haut oder die Herkunft unsere Intelligenz beeinflusst, ist grotesk. Dennoch ist unsere gesamte Gesellschaft von diesen Stereotypen durchdrungen. Die Blauäugigen werden für circa anderthalb Stunden als unterlegen eingestuft und als Unterlegene behandelt. Die Braunäugigen wiederum erhalten während der Übung die Berechtigung, die Blauäugigen zu diskriminieren und werden ermutigt, mit den Schülern der O2SA zu kooperieren. Im Ergebnis beginnen die Blauäugigen, sich unterlegen und unsicher zu fühlen, Autoritäten anzuerkennen und die Diskriminierung widerwillig über sich ergehen zu lassen, während sie von den Braunäugigen oftmals gewollt belächelt wurden.
 
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Die Erkenntnis, dass Rassismus, Diskriminierung und Mobbing in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind und die Erkenntnis, wie es ist, wenn man selbst zum Opfer oder Täter wird, soll die SchülerInnen dazu ermutigen, ihren Willen zu äußern, STOP zu sagen, sich nicht unterkriegen zu lassen und nicht alles ohne zu hinterfragen hinzunehmen.

Die Stärke der Übung besteht darin, die nackte Realität zu zeigen. Sie gibt den Teilnehmer*innen die Werkzeuge, wirklich etwas gegen Rassismus zu tun, wenn sie es wollen; ihr Leben und das ihrer Umgebung zu verändern. Nämlich sie zu ermutigen, Diskriminierung nicht als gegeben zu betrachten, sondern einzugreifen, wenn sie sehen, wenn andere Menschen oder auch sie selbst nicht gerecht behandelt werden. Zudem lernen sie, dass Diskriminierung und Rassismus erlernte Fähigkeiten sind und es keinen genetischen Code für Diskriminierung gibt. Menschen werden nicht als Rassisten geboren, sie werden dazu gemacht. Und, so wie es Jane Elliott in Bezug auf Rassismus beschreibt: „Alles, was erlernt werden kann, kann auch verlernt werden. Der erste Schritt dahin ist Erkenntnis.“ Dies möchten die SchülerInnen der O2SA auch in Zukunft aufgrund ihrer Arbeit möglichst als Multiplikatoren weitergeben, zumal sie weitestgehend nach ihrem diesjährigen Abschluss in sozialen Einrichtungen arbeiten werden.

Die Lehrer der Nelson-Mandela-Schule und auch die Klassenlehrer der Schüler des Berufskollegs, Bärbel Valenbreder und Stefan Kleine, die die Übung am Berufskolleg mit begleitet haben, waren von dem Engagement der Schüler der O2SA und den Erkenntnissen, die die SchülerInnen gewinnen konnten, begeistert und hoffen, dass die zukünftigen Schüler*innen der Jahrgangsstufe 12 mit ihrer Soziologielehrerin Andrea Waltermann dieses Experiment weiter durchführen und die Kooperationen ausbauen werden.

A. Waltermann

Veröffentlicht: 08:31:12 13.04.2019