Mit dem Anschluss an das Stromversorgungsnetz und dem Beginn der Elektrifizierung vor nunmehr etwa einhundert Jahren wuchs auch die Zahl der Elektrobetriebe in Rheine und Umgebung. Um den Bedarf an Facharbeitern zu decken, wurde es notwendig, dass Lehrlinge in diesem neuen, aufstrebenden Beruf ausgebildet wurden. Fand die Ausbildung in der Berufsschule zunächst noch zusammen mit den Handwerkern aus den anderen Versorgungsberufen wie Klempnern und Wasserinstallateuren statt, so kristallisierte sich mit der Zeit das Elektroinstallateurwesen als eigenständiger Fachbereich heraus. Die vornehmste Aufgabe für den Elektroinstallateur bestand seinerzeit – übrigens wie auch heute noch – hauptsächlich aus Verdrahtungsarbeiten für die Installation von Lichtanlagen und Industriemaschinen. Hauptaufgabe der Berufsschule war und ist es nach wie vor, junge Menschen mit den Wirkungen und vor allem mit den Gefahren des elektrischen Stroms theoretisch und praktisch vertraut zu machen.

Mit Beginn des Fernmeldewesens begann die Differenzierung innerhalb der Elektrotechnik in Schwachstrom-und Starkstromelektrikern. Für die Berufsschule bedeutete dies, dass neben den Elektroinstallateurklassen nun auch solche für Fernmeldehandwerker eingerichtet werden mussten. Waren es zu Beginn des Jahres 1971 noch kleine Gruppen, so wuchs die Zahl der Auszubildenden bei der damaligen Deutschen Bundespost Anfang der achtziger Jahre auf bis zu 62 junge Menschen pro Ausbildungsjahrgang an. Als Ende der achtziger Jahre die Standortverwaltung der Bundeswehr in Rheine Jugendlichen die Ausbildung zum Funkelektroniker bzw. Kommunikationselektroniker anbot, stieg die Zahl der Klassen im Fachbereich Elektrotechnik der Berufsschule Rheine auf bis zu zehn an. Hinzu kamen die Vollzeitklassen des Berufsvorbereitungsjahrs Elektrotechnik, der zweijährigen Fachoberschule – meistens zweizügig. Ganz nebenbei – die Anzahl der Kollegen, die seinerzeit in den Elektroklassen unterrichteten, stellten neben denen der Metalltechnik „die stärkste Fraktion“ im Kollegium.

Nach und nach schlossen dann zunächst die Deutsche Bundespost  und  später  auch  die  Bundeswehr  ihre Ausbildungswerkstätten in Rheine. Für die Berufsschule bedeuteten diese Schließungen tiefe Einschnitte. Waren doch für die qualifizierte Ausbildung teure Elektroniklabors und Werkstätten in der ehemaligen Textilfabrik Kettelhack eingerichtet und schon zum frühen Zeitpunkt Anfang der achtziger Jahre Personalcomputer (PCs) für die Ausbildung bereitgestellt worden. Ersatz musste geschaffen werden. Dies geschah mit der Einführung der dreijährigen gymnasialen Oberstufe, der jeweils dreijährigen Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten und zum staatlich geprüften Techniker. Möglich wurde dies durch die Umgestaltung der Berufsbildenden Schule in ein Berufskolleg. Elektroinstallateure, Fernmeldehandwerker und Kommunikationselektroniker gibt es nicht mehr. Die Ausbildungsberufe zum Fernmeldehandwerker und Kommunikationselektroniker sind am Berufskolleg – bedingt durch fehlende Ausbildungsstätten in Rheine und unmittelbarer Umgebung – ersatzlos gestrichen.

Nach mehreren Reformen in den Ausbildungsordnungen nennen sich Elektroinstallateure heute „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik”. Lediglich eine Klasse pro Ausbildungsjahrgang bildet heute im Dualen System der Berufsschule das Grundgerüst der Elektroabteilung. Bedingt durch die enorme technische Innovation der letzten Jahre müssen handwerklich ausgerichtete Auszubildende heutzutage Systeme der Energieversorgung und Gebäudetechnik konzipieren, Beleuchtungsanlagen, Datennetze und vieles mehr installieren, Telekommunikationsendgeräte und –anlagen an Fernmeldenetze anschließen und energie- und gebäudetechnische Anlagen in Betrieb nehmen. Das Spektrum der Ausbildung hat sich stark erweitert.

Wenn sich dennoch zur Zeit sechzehn Lehrer unseren 366 Schülerinnen und Schülern in den elektrotechnischen Berufen zuwenden, so liegt das daran, dass seit Ende der neunziger Jahre viele Vollzeitschulklassen eingerichtet wurden. Wenn auch die Schwerpunkte z.B. der Informationstechnischen Assistenten und der Gymnasialen Oberstufe nicht mehr in der klassischen Elektrotechnik liegen, so müssen sie doch mit den Grundlagen des elektrischen Stroms vertraut gemacht werden. Frühzeitige Spezialisierungen liegen im Trend der Zeit. Schwerpunktverlagerungen und Veränderungen, verbunden mit ständigen technischen Neuerungen auf dem Markt – man denke an die zunehmende elektrische Ausstattung in modernen Kraftfahrzeugen – lassen dieses Berufsbild in der Zukunft nicht unbedeutender werden.